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Interviews

Menschen brauchen Bilder – daran zweifelt wohl niemand und es bestätigte sich in jedem der Interviews, die ich Laufe des Jahres 2019 geführt habe. Zu Wort kamen Leute, deren Leben mit Bildern – im weitesten Sinn – zu tun hat: bildende KünstlerInnen, aber auch GaleristInnen, eine Hörfilm-Sprecherin, eine Journalistin, eine Coachin, eine Theatermalerin, ein Fotograf und ein Graffiti-Sprayer.

Das Thema interessierte mich einerseits, weil ich selbst Künstlerin bin, andererseits aus psychologischer Sicht. Spontan ausgewählte Bilder oder z. B. Ausschnitte davon, die zu einem neuen Bild in Form einer Collage zusammengeklebt werden, fördern ganz viel Unbewusstes zu Tage und bieten damit Stoff für die persönliche Entwicklung.   

So ist es nicht verwunderlich, dass auf meine Frage, was denn eine künstlerische Arbeit haben muss, damit sie Emotionen hervorruft, sehr oft geantwortet wurde: „Sie muss mich irgendwie berühren.“ Was es im einzelnen ist oder worauf es dabei ankommt, blieb diffus. Das Diffuse, zwischen den Zeilen stehende, das Unergründliche, Tiefe ist das Essentielle, was Kunst ausmacht: Ästhetik, Sinnlichkeit, Ursprünglichkeit, Rätselhaftigkeit.

Die Kunst hat überlebt. Zumindest für einen Teil der Menschheit scheint die Beschäftigung damit ein Bedürfnis zu sein.„Wäre das Leben aber tatsächlich an das gebunden, was uns alltäglich passiert, dann hätten wir das primitive Jägerdasein im Walde trotz Handy und Internetanschluss nie aufgegeben. Um einer solch tristen Realität, die uns das Leben in Teilen aufzwingt, zu entkommen, bedarf es der Kunst“ sagt der deutsche Maler, Graphiker und Bildhauer Markus Lüpertz.*

Ursprünglich als Marketing-Idee für mein Coaching-Business gestartet, hat sich das Ganze inzwischen verselbständigt und ist meinerseits zu einer Art Hobby-Forschungsarbeit geworden, über die ich neue Kontakte knüpfen konnte und die das eine oder andere Mal auch zur bereichernden Vernetzung der TeilnehmerInnen untereinander geführt hat.

Allgemein über Bilder zu reden legt einen noch weiteren Rahmen um das Ganze als es ein Diskurs über Kunst an sich tut. Meine Gedanken und Assoziationen bewegten sich auch in abgelegeneren Gebieten wie der Neuro-Physiologie, der bildgestützten Diagnoseverfahren, des Bewegtbildes, der Werbung, der Bildrestauration etc. Bisher ist es mir jedoch nicht gelungen, auch diese weiter entfernten Bereiche per Interview zu erforschen, weil ich von den angeschriebenen GesprächspartnerInnen entweder keine oder eine negative Rückmeldung bekam. So habe ich mich bei meiner weiteren Recherche nach Interview-PartnerInnen in meinem engeren Umfeld umgesehen. Aus diesem Grund sind es überwiegend in der Kunstwelt arbeitende KielerInnen, die hier zu Wort kommen. Als Themen haben sich nebenbei das Bild von Kiel – das „Kiel-Gefühl“ – herauskristallisiert und die Frage, warum es hier so schwierig ist mit der Kunst und für Künstler. 

Das Statement „Menschen brauchen Bilder“ bleibt an vielen Stellen offen. Es kann also weitergehen, aber erst einmal gebe ich hier die Gelegenheit, die Gespräche aus dem letzten Jahr tiefer zu ergründen und den eigenen roten Faden ausfindig zu machen.  

*Der Kunst die Regeln geben“, Ein Gespräch mit Heinrich Heil, Markus Lüpertz, 2005, Ammann Verlag & Co., Zürich

INTERVIEWS

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